Lernen macht zufrieden und glücklich

CRC. Die Vereinten Nationen haben die Schweiz diesen Frühling zum glücklichsten Land der Welt gekürt. Sie kommen zum Schluss, dass glückliche Menschen länger und gesünder leben, produktiver sind, mehr verdienen und Krisen besser meistern können. Aus dem Bericht geht hervor, dass Arbeit und Lernen viel zur persönlichen Zufriedenheit beitragen.

Normalerweise sind Lernende zwischen 16- und 19-jährig. Wolfgang Kugler, Walter Lanz und Veronika Meyer sind um Jahrzehnte älter. Gehören sie deshalb auf dem Weg ihrer Zweitausbildung bereits in die Kategorie „altes Eisen“? Von den über 230‘000 Menschen in einer beruflichen Grundausbildung waren beispielsweise im Schuljahr 2011/2012 nur gut 2 Prozent über 30 Jahre alt. Marco Graf vom Laufbahnzentrum Zürich rät grundlegend auch keinem über 40-Jährigen zu einer Lehre. „Die Lebens- und Berufserfahrung eines „Ü 40“ rechtfertigt nur in Ausnahmefällen das tiefe Einkommen während der mehrjährigen Ausbildung“, so sein Fazit. „Gleichwohl ist natürlich ein älterer Lehrling in jedem Falle ein Gewinn für den jeweiligen Betrieb.“

Dreifache Mutter als „Klassenmami“ – offen für Sörgeli und Nöte ihrer Klassenkameraden

Die 48-jährige, angehende Podologin Veronika Meyer erinnert sich schmunzelnd an die Reaktion ihrer Mitschüler, als sie am ersten Schultag das Klassenzimmer betrat: „Was will diese alte Schachtel nur hier bei uns?“ Doch diese Vorbehalte verschwanden schnell. Bald wurde die dreifache Mutter von ihren Kameraden als „Klassenmami“ wahrgenommen. Veronika Meyer spürt aber, dass sie einen grösseren Aufwand betreiben muss als ihre Klassenkameradinnen im Teenager-Alter. „Ich war so viele Jahre nicht an der Schule und wusste zunächst gar nicht mehr, wie man richtig lernt.“

Mit 56 bislang ältester Lehrling

Wolfgang Kugler zählt mit seinen 56 Jahren wohl zu den bislang ältesten Lehrlingen der Schweiz. Diesen Sommer absolvierte er seine Lehrabschlussprüfung als Sanitär. Seine grosse Leidenschaft sind Kunst und Kultur. Er liebt das Politisieren, das Musizieren und das Schreiben. Seine Berufswahl scheint angesichts seiner Person so ein Widerspruch. Der zweifache Vater träumte ursprünglich von einer Karriere als Musiker oder Schriftsteller. „Realistisch gesehen war es nicht möglich, damit genug Geld zu verdienen“, sagt er. Sein satirischer Bildband im eigenen Verlag habe sich nur harzig verkauft. Der Liebe wegen ist der Wiener vor 10 Jahren in die Schweiz gezogen.

Erst Jurist, dann Schreiner …

Für Walter Lanz gibts kein Entweder – Oder. Und so hielt sich der heute 71-Jährige auch im Berufsleben an sein Credo. Schon immer mochte er es, mit den Händen zu arbeiten. Etwas zu produzieren, bei dem er am Abend weiss, was er geleistet hat. Gleichzeitig wollte er seinen Kopf benutzen. „Hätte ich wählen können, ich wäre am Morgen ins Büro gegangen – und den Nachmittag hätte ich an der Hobelbank verbracht“, blickt der aufgestellte Senior auf sein Arbeitsleben zurück. Und diesen Wunsch setzte er eines Tages in die Tat um. Nach Wirtschaftsstudium, Doktorpromotion und einer selbstständigen Tätigkeit als Wirtschaftsjurist begann Walter Lanz mit 45 eine Lehre als Möbelschreiner. Sein Umfeld reagierte zum Teil überrascht, bewunderte seinen Mut. Andere waren irritiert, konnten nicht verstehen, wie er seine erfolgreiche Karriere einfach aufgeben konnte.

Doch um diese eine gemeinsame, wunderbare Erfahrung reicher sind alle drei: Seit dem erfolgreichen Abschluss ihrer Zweitausbildung sind sie rundum glücklich und zufrieden. Gestützt auf die Studie der Vereinten Nationen leben Wolfgang Kugler, Walter Lanz und Veronika Meyer ja auch im glücklichsten Land der Welt.

www.die-lehrstelle.ch

Das Portal Website www.die-Lehrstelle.ch listet seit Herbst 2011 neue Lehrstellen aus fast allen Branchen und aus fast allen Kantonen der Schweiz auf. Jugendliche informieren sich auf dieser Plattform über die offenen Lehrstellen. Unzählige Firmen haben seit dem Start ihre offenen Lehrstellen Jahr für Jahr auf dieser attraktiven Plattform ausgeschrieben.

Worauf achten Firmen bei der Auswahl von Lernenden?

Wer eine Berufslehre absolvieren möchte, muss sich dafür bewerben. Im Idealfall erhalten die Kandidaten die Chance, sich bei einem Bewerbungsgespräch persönlich vorzustellen.

Man muss sich bewusst sein, dass man in jeder Phase einen Eindruck hinterlässt. Nachfolgende einige Tipps und Inputs zur Bewerbung:

  1. Die Bewerbung

Den ersten Eindruck erfolgt auf Grund deiner Bewerbung. Diese muss – ganz wichtig – vollständig sein.Was deine Bewerbung enthalten muss, steht meistens im Inserat. Dazu zählen z.B.: dein Bewerbungsschreiben, dein Lebenslauf mit den wichtigsten Angaben und deine Zeugniskopien der letzten Schuljahre (ohne Primarschule). Und, falls im Inserat verlangt, muss auch ein Eignungstest beigelegt werden.

  1. Die Terminvereinbarung

Falls du in die engere Auswahl kommst, wird sich die verantwortliche Berufsbildnerin melden, um einen Termin zu vereinbaren. Auch hier entsteht ein Eindruck. Zeige, dass du wirklich interessiert bist an dieser Lehrstelle. Versuche, bei der Terminvereinbarung möglichst unkompliziert zu sein (nicht die Schule deswegen auslassen, aber z.B. einen schulfreien Nachmittag dafür investieren).

  1. Das Schnuppern

Falls du zum Schnuppern eingeladen wirst, ist dies die Chance zu zeigen, wo deine Stärken liegen und dass dich der Beruf interessiert. Du musst nicht alles auf Anhieb beherrschen, denn du erlernst die Dinge ja später während der Berufslehre. Beim Schnuppern wird man dir Aufgaben geben, die mit diesem Beruf zusammenhängen. Es ist deine Gelegenheit, zu sehen, ob dir dieser Beruf liegt und ob dir der Betrieb zusagt. Achte auf das Arbeitsklima zwischen den Mitarbeitern und achte auf den generellen Eindruck, den die Firma auf dich macht.
Der Ausbildner wird schauen, ob du eine schnelle Auffassungsgabe besitzt und ob du in das Team passen würdest.

  1. Das Vorstellungsgespräch

Das Vorstellungsgespräch dient neben dem Schnuppern als „Kennenlern-Gespräch“. Du wirst auf dein Bewerbungsschreiben angesprochen und auf die Gründe, weshalb du gerade diesen den Beruf erlernen möchtest. Essenziell ist, dass du deine Gründe bereit hast und nicht lange nachdenken musst. In diesem Punkt solltest du dir besonders sicher sein. Hole dir auf dem Internet Infos über die Firma. Man möchte sehen, wie stark du am Unternehmen und am Beruf interessiert bist. Je besser du informiert bist, umso sicherer wirst du dich fühlen und einen noch besseren Eindruck hinterlassen.

Misshandlungen in der Lehre

Misshandlungen während der Lehrzeit sind zwar sehr selten, jedoch wissen die betroffenen Lernenden oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Schliesslich ist die ganze Situation der Lehrstelle neu und seinen Ausbildungsplatz aufs Spiel setzen, möchte man ja auch nicht. Trotzdem gilt ganz klar: Wehren kann und muss man sich!

Niemand muss sich Mobbing, sexuelle Belästigung oder (Androhungen oder tatsächlich ausgeübte) Gewalt während der Berufslehre und darüber hinaus gefallen lassen. Jedoch schweigen Betroffene meistens aus Angst, ihre Lehrstelle zu verlieren, oder weil sie sich selbst nicht als Opfer sehen möchten. Zudem fürchten sie sich vor der Reaktionen ihrer Familie und Freunden. Hier helfen oft Drittpersonen weiter, die nicht involviert sind. Beispielsweise der Vorgesetzte. Ist dieser jedoch der Peiniger selbst, sollte man sich an seinen Berufschullehrern oder dem Amt für Berufsbildung in den jeweiligen Kantonen wenden. Sie beraten Lernende in solchen Fällen und sehen als neutrale Stelle eher, welche Wege man gehen sollte.

Sind die Misshandlungen gravierend und es muss eine neue Lehrstelle gesucht werden, wird sich das kantonale Berufsbildungsamt dieser Sache auch gleich annehmen.

Möchte man sich seine Probleme erst einmal einfach von der Seele reden, ist die Notrufnummer der Pro Juventute für Kinder und Jugendliche (Tel.: 147 und Beratungsplattform: www.147.ch) eine Lösung. Die Beratungspersonen haben offene Ohren für jedes Anliegen und geben Ratschläge. Egal auf welchem Weg man sich bei Pro Juventute meldet (Anruf, SMS oder Internetchat): alle Daten bleiben anonym und werden nicht gespeichert.
 

Rasch reagieren
Ist man sich sicher, dass eine Misshandlung vorliegt, sollte schnell gehandelt werden. Lange zu warten, lohnt sich nicht, da körperliche und psychische Schäden dauerhaft werden könnten. Überhaupt muss man sich bewusst sein, dass es extrem wichtig ist, sich in den drei oder vier Jahren seiner Berufslehre wohl zu fühlen und Freude an dem hat, was man täglich macht.

Die 100er-Marke geknackt

Die Suche nach Lernenden wird für Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen immer schwieriger. Was früher undenkbar war, ist heute Realität. Viele Firmen und ganze Branchen haben grosse Mühe, Nachwuchs zu finden. Auf www.die-lehrstelle.ch sind zurzeit über 120 offenen Lehrstellen ausgeschrieben.

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