Berufsausbildung – mit dem Lehrlingslohn in die finanzielle Freiheit?

CRC. Viele Schulabgänger erliegen dem Trugbild, mit dem Beginn der Berufsausbildung öffne sich gleichzeitig der Weg in die finanzielle Freiheit. Es scheint so einfach, mit Geld umzugehen. Schulden kommen zwar in jeder Altersstufe vor. Doch besonders gefährdet sind junge Erwachsene: Erster Lohn, Wochenende für Wochenende Ausgang und Party, hohe Natelkosten, erste Steuererklärung … und schon ists passiert.

Viele junge Erwachsene machen mit dem Antritt der Berufsausbildung die schmerzende Erfahrung, dass im Portemonnaie schon in der ersten Monatshälfte Ebbe herrscht, sprich „kein Geld mehr vorhanden ist, dafür noch umso mehr Monat“. Ein Budget zu erstellen, lernen die meisten Jungen nicht. Eltern können im Umgang mit Geld für ihre Kinder eine wichtige Vorbildfunktion übernehmen.

Aber oft befürchten die jungen Erwachsenen, zum Aussenseiter abgestempelt zu werden, wenn sie nicht wie ihre Kolleginnen und Kollegen in ihrer Freizeit Party machen, geile Marken-Klamotten shoppen, sich pinke Nägel modellieren lassen und stets das neuste Handymodell in Händen halten. Man besitzt dafür vielleicht mehrere Kreditkarten und ist bei vier Kreditinstituten Kunde. Doch so rosarot und easy verläuft das Leben nicht.

Kontrolle über sein Geld fest in die eigenen Hände nehmen
Eine betroffene Auszubildende berichtet, den Umgang mit Geld so in den Griff bekommen zu haben, indem sie den Ratschlag ihrer Eltern annahm und mit einem „Couversystem“ zu haushalten begann. Ihren Lehrlingslohn splitte sie in tägliche „Monatstäschli“ auf und bewahre zusätzliche 50 Franken als „Notbatzen“ in einem separaten Couvert auf. „Auf diese Weise hoffe ich, nicht wie einige meiner Kolleginnen und Kollegen in die gefährliche Schuldenspirale zu geraten. Und bei einem unverhofften finanziellen Engpass sind ja zum grossen Glück meine Eltern noch da“, sagt sie ehrlich. Nicht von ungefähr besagt denn auch eine alte Redewendung: „Spare in der Zeit, so hast du in der Not.“

Rücklagen für Fahrprüfung und eigenes Auto
In den drei oder vier Jahren der Lehre verdient ein Auszubildender durchschnittlich zwischen 20‘000 bis 30‘000 Franken oder sogar noch mehr. Erstrebenswert ists grundsätzlich, das Beste aus diesem Geld herauszuholen, damit am Ende der Lehre nach Möglichkeit auch ein hübscher Teil auf dem Sparkonto liegt. Welch ein gutes Gefühl und berechtigter Stolz wird die jungen Erwachsenen denn am Ende ihrer Lehre beflügeln, wenn sie sich mit dem Angesparten die Fahrprüfung und obendrein vielleicht gar noch ihr eigenes Auto mit dazu finanzieren können. Mit Vollgas lässt es sich doch so unbekümmert ins Berufsleben starten.

Mit Brückenangeboten die Zukunft im Sack?

CRC. Sind die Noten ungenügend oder möchte der Jugendliche später eine weiterführende Schule besuchen, ist eine allgemeine schulische Weiterbildung von Vorteil. „Sprachaufenthalte sind in dieser Situation nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Die Jugendlichen sollten sich lieber auf die Kernfächer Mathematik und Deutsch konzentrieren“, so der Rat der Berufsberaterin. Etwa ein Drittel der Kantone verlangt fürs 10. Schuljahr respektive für Brückenangebote ein teures Schulgeld.

Keine Lehrstelle gefunden, die Gymiprüfung verpatzt – „ab ins 10. Schuljahr!“, lautet in dieser Situation oftmals die Devise.- Viele Schulabgänger haben zunehmend Mühe mit der Arbeitshaltung und es gibt vermehrt Schüler mit Ausbildungslücken. Jugendliche sollten früh eine schulische Zwischenlösung ins Auge fassen, wenn sie noch keine Lehrstelle gefunden haben. Wer sich in der Berufswahl sicher ist, sollte sich auch dann weiterbewerben, wenn er oder sie sich schon für eine Brückenlösung angemeldet hat.

Unschlüssig in der Berufswahl oder Schwierigkeiten bei Lehrstellensuche?

Andere Jugendliche sind in ihrer Berufswahl unentschlossen oder sind vielleicht bei der Lehrstellensuche auf Schwierigkeiten gestossen. Wiederum andere müssen ein Jahr älter werden, bevor sie eine Ausbildung antreten können. Oder sie müssen eine bestimmte Vorbildung absolvieren, bevor sie mit der Ausbildung beginnen können, wie z. B. einen Vorkurs für gestalterische Ausbildungen. Gefragt sind da Brückenangebote, die zielgerichteter aufs Berufsleben vorbereiten. Es braucht Anschlusslösungen, die nicht nur einen schulischen, sondern auch einen praxisorientierten Teil bieten. Und es sei an dieser Stelle auch gleich vorweggenommen: Die kindliche Vorstellung vom Traumberuf lässt sich nur in den wenigsten Fällen umsetzen.

Nicht nur schulische, sondern auch praxisorientierte Module

Die Zeit drängt, da manche Angebote schnell ausgebucht sind und die Situation durchaus etwas „kompliziert“ werden könnte. „Kompliziert“ kann alles Mögliche heissen: eine Zwischenlösung beispielsweise bis zum erforderlichen Alter von 18 Jahren für eine Ausbildung im Gesundheitswesen, eine sogenannte „Vorlehre“, der Übergang als Hilfskraft in den Arbeitsmarkt – oder eben als ideale Berufsvorbereitung ein 10. Schuljahr.

Selbstständiges Arbeiten, soziales Verhalten, logisches Denken

Beim 10. Schuljahr können die Schüler neben den Kernfächern Wahlfächer bestimmen, welche die Vorbereitung auf eine bestimmte Berufsrichtung unterstützen, obwohl das 10. Schuljahr nicht als eigentliche Berufswahlklasse bezeichnet werden kann. Sprachliche Kompetenzen werden verbessert sowie mathematische und naturwissenschaftliche Grundlagen vertieft. Das Schuljahr bietet den Schülern auch die Möglichkeit, eine qualifiziertere Berufslehre zu absolvieren. Auch weitere Kenntnisse und Fähigkeiten wie zum Beispiel selbstständiges Arbeiten, soziales Verhalten, logisches Denken oder die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen werden häufig im 10. Schuljahr vermittelt. Das 10. Schuljahr ist also eine echte Alternative zu einer sofortigen Berufslehre und so nicht nur eine Notlösung für Schüler, die keine Lehrstelle finden. Dazu müssen die Erziehungsberechtigten allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen, um diese Zwischenlösung zu finanzieren.

www.die-lehrstelle.ch

Das Portal Website www.die-Lehrstelle.ch listet seit Herbst 2011 neue Lehrstellen aus fast allen Branchen und aus fast allen Kantonen der Schweiz auf. Jugendliche informieren sich auf dieser Plattform über die offenen Lehrstellen. Unzählige Firmen haben seit dem Start ihre offenen Lehrstellen Jahr für Jahr auf dieser attraktiven Plattform ausgeschrieben.