Was taugt die Lehre?- Wie findet man den „richtigen Lehrling“?

CRC. Die Schweizer Berufslehre gilt als Erfolgsmodell und ist historisch bedingt stark in Industrie und Gewerbe verankert. Lehrlinge bringen den Firmen viel. Doch bei der optimalen Rekrutierung hapert es in manchen Fällen. Viele Betriebe suchen nur nach den Besten. Sie sortieren Bewerber aufgrund „mangelnder Ausbildungsreife“ aus, heisst es im Lehrstellenbarometer, der die Situation auf dem Lehrstellenmarkt analysiert. Übersetzt heisst das nichts anderes als: „Die Kandidaten hatten zu schlechte Noten.“

Natürlich ist es schwierig, wenn Lernende an der Berufsschule Mühe haben. Dennoch sollten Noten allein nicht matchentscheidend sein. Schliesslich sind bei der Ausübung des späteren Berufs vor allem Fachkompetenz und Leidenschaft wichtig. Der Fachkräftemangel betrifft alle. Egal, ob kleine oder grosse Betriebe: Alle sind gefordert, um die bestmöglichen Lehrlinge zu rekrutieren.

Zunehmende Akademisierung der Berufe unabwendbar
Trotzdem findet seit über 15 Jahren eine zunehmende Akademisierung statt. Der Zustrom an die Gymnasien ist ungebrochen. Etliche Berufe sind nur noch über Hochschulabschlüsse zugänglich. Mit mehr „Durchlässigkeit“ wäre das duale Bildungssystem der Schweiz für die Zukunft noch besser gerüstet. 

Soft Skills sind weitaus wichtiger als schulische Noten
Viele Betriebe gehen davon aus, dass ein Schüler mit guten Noten auch ein guter Lehrling ist. Doch diese Gleichung geht leider nicht auf. „Betriebe tun sich häufig schwer damit, das Lernpotenzial junger Bewerber zu erkennen – obwohl Soft Skills wie Gewissenhaftigkeit, Fleiss oder Einsatzbereitschaft um einiges wichtiger sind als schulische Leistungen“, ist Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm überzeugt. „Bei Sekundarschülern nehmen die Betriebe diese „weichen Funktionen“ zwar zur Kenntnis, aber nicht bei Realschülern. Während Schüler mittleren Ausbildungsniveaus schlechte Noten mit Soft Skills ausgleichen können, erhalten Realschüler oft gar nicht die Chance, diese zu beweisen, weil sie aufgrund von schlechten Noten von Beginn an aussortiert werden. Manche Firmen besetzen ihre Lehrstellen lieber gar nicht, als mit vermeintlich ungenügenden Bewerbern.

In vielen Branchen lohnen sich Lehrlinge für die Betriebe
Ein Drittel der Ausbildungsfirmen legt während der Lehrzeit drauf. Für sie wird der Lernende finanziell erst interessant, wenn er nach der Ausbildung bleibt – und das Unternehmen dadurch Zehntausende von Franken für die Rekrutierung und Einarbeitung eines Externen spart. Solche Betriebe streichen eine Lehrstelle tendenziell eher, statt einen mittelmässigen Bewerber einzustellen. Zwei Drittel der Firmen profitieren dagegen bereits während der Lehrzeit mehr von der geleisteten Arbeit der Lehrlinge, als sie die Ausbildung kostet. Im letzten Lehrjahr bringen Lehrlinge durchschnittlich knapp 6000 Franken ein. Bei vierjährigen Lehren sogar gegen 12‘000 Franken.
Das weiss auch Elektroinstallateur-Ausbildner Stefan Salzmann. Er zögerte lange, bevor er seinen letzten Lernenden anstellte. Der junge Mann war Realschüler und konnte nur mässig gute Noten vorweisen. „Doch die schulischen Anforderungen sind sehr hoch. Gerade in Mathematik bringen Realschüler nicht das nötige Vorwissen mit und müssen sich deshalb extrem reinhängen.“ Dennoch gab er dem Bewerber eine Chance. „Er zeigte während der Schnupperlehre vorbildlichen Einsatz und passte gut ins Team.“ Salzmanns Bauchgefühl war richtig. Der ehemalige Realschüler schloss nicht nur mit Bestnote ab, sondern holte sich an den Berufsweltmeisterschaften sogar eine Goldmedaille.

www.die-lehrstelle.ch

Das Portal Website www.die-Lehrstelle.ch listet seit Herbst 2011 neue Lehrstellen aus fast allen Branchen und aus fast allen Kantonen der Schweiz auf. Jugendliche informieren sich auf dieser Plattform über die offenen Lehrstellen. Unzählige Firmen haben seit dem Start ihre offenen Lehrstellen Jahr für Jahr auf dieser attraktiven Plattform ausgeschrieben.