Interview mit Erland Brügger, CEO, Rivella AG, Rothrist

Erland Brügger

Welche Arten von Lehrstellen bietet die Rivella AG an?
Wir bilden vier Berufsgruppen aus: Lebensmitteltechnologe/in, Logistiker/in, Informatiker/in, Kauffrau/Kaufmann.

Wie viele Lernende nehmen Sie pro Jahr?
In der Regel 1 Lebensmitteltechnologe/in, 2 Logistiker/innen, 1 Informatiker/in, 2 Kauffrau/Kaufmann

 

Was muss man unternehmen, um bei der Rivella AG eine Lehrstelle zu erhalten?
1. Schritt: Mit einem ansprechenden und kompletten Bewerbungsdossier überzeugen (Motivationsschreiben, Lebenslauf, Schulzeugnisse mind. der letzten 4 Semester, Multi- oder Basic-Check), damit eine Einladung zu einem Interview erfolgt.
2. Schritt: Falls das Gespräch durch die Persönlichkeit überzeugt, erfolgt die Einladung zur Absolvierung eines Schnuppereinsatzes (Dauer 1 – 3 Tage).
3. Schritt: Entweder erfolgt der Eignungstest während den Schnuppertagen oder im Anschluss nach positivem Schnuppereinsatz.

Heute hört man oft, die jungen Lehrstellenbewerber/innen seien unmotiviert. Mach(t)en Sie diese Erfahrung auch?
Es gibt viele Lehrstellenbewerber/innen, die motiviert sind und sich aktiv und engagiert um eine Lehrstelle bemühen. Dies erkennt man teilweise bereits an einem kreativen Bewerbungsdossier. Es gibt aber auch andere, die sich den notwendigen Voraussetzungen nicht bewusst sind und generell wenig Engagement zeigen oder noch nicht „ausbildungsreif“ sind. Wir stellen zunehmend eine mangelnde Ausbildungsreife fest. Hinzu kommt, dass vor allem leistungsstarke Schüler mit sehr guten Schulnoten heute vermehrt den Weg an eine weiterführende Schule (Kantonsschule oder WMS) wählen. Deshalb werden die sehr guten und guten Schulabgänger bei der Lehrstellenauswahl immer seltener.

Was schätzen Sie denn an einem Lernenden? Was muss dieser mitbringen?
Motivation und Neugier, Freude am Beruf, Engagement und angenehme Umgangsformen sind wichtige Grundvoraussetzungen. Disziplin, Leistungsbereitschaft und Durchhaltewillen sind vor allem während der Lehrzeit entscheidende Eigenschaften.

Worauf achten Sie spezifisch bei der Wahl eines Lernenden?
Bei der Vorselektion sind gute (bis sehr gute) konstante Noten in den Kernfächern, gut bewertete Selbst- und Sozialkompetenzen sowie ein erfolgreiches Resultat des Multi- oder Basic-Checks der erste Türöffner für ein Vorstellungsgespräch. Hinterlässt der Lehrstellensuchende im Gespräch einen positiven Eindruck, erhält er die Möglichkeit für eine Schnupperlehre. Dem Schnuppereinsatz wird relativ viel Bedeutung beigemessen, da man während 1 – 3 Tagen einen umfassenden Eindruck des Bewerbers gewinnen kann. Sinnvolle Freizeitbeschäftigung, ein positiv absolvierter Eignungstest und das Einholen von Referenzen runden das Gesamtbild letztendlich ab und führen zum Entscheid einer Lehrstellenzusage oder – absage.

Was ist der grösste Vorteil für Lernende, die bei der Rivella AG ihre Berufsausbildung absolvieren?
Rivella bietet eine abwechslungsreiche und vielseitige Lehre in einem spannenden, dynamischen KMU-Betrieb mit einem überschaubaren und sympathischen Umfeld an. Die Lernenden in der Rivella AG können schon relativ rasch Verantwortung übernehmen und selbständig mitarbeiten. Einzigartig ist sicher, dass Lernende auch an zahlreichen spannenden Events und Projekten mitwirken und ihre eigenen Ideen einbringen können. Dadurch, dass wir zudem mehrere Lernende ausbilden, können diese auch gegenseitig voneinander profitieren und sich auch beim Lernen unterstützen.

Wie werden Lernende während ihrer Lehre von der Rivella AG unterstützt?
Bei Bedarf bieten wir sowohl externe als auch interne Stützkurse an.

Persönliches

Was haben Sie für eine Lehre absolviert? (Jahr?)
Ich habe mich für die Akademische Ausbildung entschieden und nach der Matur 1986 an der Hochschule St. Gallen Betriebswirtschaft studiert.

Weshalb haben Sie diesen Beruf gewählt?
Mein Patenonkel hat mich zum Studium in St. Gallen motiviert. Er war selbst in leitender Stellung im Marketing eines Unternehmens der Medizinalbranche tätig und das Aufgabenspektrum und die Führungsverantwortung haben mich fasziniert.

Wie haben Sie Ihre Lehrzeit (Ausbildungszeit) in Erinnerung?
Da ich als Mensch eher der Praktiker bin, war die akademische Ausbildung für mich nicht immer der Weg, bei dem ich voll motiviert war. Ich habe denn auch eher ein Werkstudium gemacht, bei dem ich neben der Ausbildung viel gearbeitet habe um mein Studium zu verdienen. So war ich in diversen Hilfsjobs in der Industrie tätig, habe mich als Landschaftsgärtner versucht, war in einer Videothek beschäftigt, bevor ich als Assistent an einem Institut der Hochschule St. Gallen gestartet habe.

Wenn Sie den Jugendlichen einen Tipp geben könnten, rückblickend auf Ihre Lehrzeit oder auf das, was Sie täglich sehen bei Ihren Lernenden, was wäre das für einer? Worauf sollte man vorbereitet sein?
Dass es in jungen Jahren einfacher ist, sich mit etwas Durchhaltewille und Hartnäckigkeit auf ein höheres Ziel vorzubereiten. Es lohnt sich, etwas Durchhaltewille und Hartnäckigkeit an den Tag zu legen und sich weiter zu bilden. Am besten macht man dabei etwas, was einem liegt, da es einfacher ist mit seinen Stärken zu arbeiten als mit den Schwächen. In dem Sinne ist es bei der Berufswahl wichtig, dass man für sich entscheidet, was man selber will und diesen Entscheid nicht anderen überlässt.

Wie wurden Sie zum CEO der Rivella AG?
Das ist nun eine längere Geschichte, aber sagen wir es so: neben der Ausbildung, waren sicherlich mein beruflicher Werdegang im Marketing und Verkauf in der Konsumgüterindustrie, mein menschlichen Qualitäten aber auch eine grosse Portion Glück dafür verantwortlich, dass ich diese tolle Aufgabe übernehmen durfte.

 Erland Brügger