Interview mit Pascal Lehmann - Berufsweltmeister Carrossier Lackiererei

WORLDSKILLS LEIPZIG 2013

Interview mit Pascal Lehmann

Berufsweltmeister Carrossier Lackiererei (Car Painting)

 

Name: Pascal Lehmann

Lehrbetrieb: Carrosserie-Spritzwerk Küng AG, Gebensdorf

Lehrjahr: seit 2012 aus der Lehre

 

  1. Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Das ist eine witzige Geschichte. Mein Vater ist Carrosserie-Spengler und ich wollte eigentlich immer Hochbauzeichner und anschliessend Architekt werden. Ich hatte schon fast eine Lehrstelle als Hochbauzeichner in der Tasche. Dann hat mein Vater gesagt, ich sollte doch noch Autolackierer schnuppern gehen, weil es ein sehr interessanter Beruf sei (er arbeitet ja mit diesen Leuten zusammen) und ich dabei nichts verlieren könne. Ich weiss nicht warum, aber ich kam gar nie auf die Idee, Autolackierer zu werden. Gefallen hat es mir beim Schnuppern auf Anhieb und den Plan, Hochbauzeichner zu werden, änderte ich.
 

  1. Was gefällt dir am Beruf Carrossier Lackiererei?

Ich finde es faszinierend, wie man aus etwas „Kaputtem“ etwas Neues oder wieder etwas „Ganzes“ machen kann. Der ganze Prozess mit dem Lack und dem Schleifen. Einfach alles! Ausserdem wäre ein Büro-Job nicht das Richtige für mich. Ich finde es toll, wenn ich am Abend ein Produkt vor mir habe. Einfach nur am Bürotisch zu sitzen, passt nicht zu mir.

 

  1. Gibt es auch Dinge, die du nicht magst in deinem Berufsalltag?

Der Nachteil an meinem Beruf ist der gesundheitliche Aspekt. Da muss man sich schützen. Man wird täglich mit Dämpfen, Staub oder Lärm konfrontiert. Aber wenn man sich an die Regeln des Gesundheitsschutzes hält, ist das kein Problem.

Ich mache den Beruf mega gerne und inzwischen ist er quasi zu meinem Hobby geworden.

 

  1. Wie bist du auf deinen Lehrbetrieb aufmerksam geworden?

Ich habe im Telefonbuch nach Garagen gesucht und einfach bei allen angerufen. Bei der Carrosserie-Spritzwerk Küng AG, in Gebensdorf konnte ich schnuppern. Mir gefielen das Team, die Arbeit und das Umfeld dort am besten.

 

  1. Du bist Berufsweltmeister Carrossier Lackiererei. Woher kommt dieser Ehrgeiz?

Das fragen mich viele, warum ich das überhaupt gemacht habe. Ein Preisgeld erhält man ja nicht. Aber man lernt viel über sich selbst, geht an seine Grenzen. Es ist eine Erfahrung fürs Leben und man kann fachlich sowie privat profitieren.
Ich habe nicht daran gedacht, so weit zu kommen. Ich fand, dass es doch super wäre, wenn ich mich mit anderen aus der ganzen Welt messen könnte. Und nachdem ich an den Regionalmeisterschaften teilgenommen hatte, hat mich einfach das Wettbewerbsfieber gepackt. Ich wollte weiter kommen.

 

  1. Wie sieht eine Berufsweltmeisterschaft aus? Wie muss man sich das vorstellen?

Die Weltmeisterschaft fand im Juni 2013 in Leipzig (DE) statt. Viele Berufsgattungen waren vertreten. In der Schweiz ist es so, dass derjenige, der geht, erster in der Schweizer Meisterschaft wurde.

Die Weltmeisterschaft dauert vier Tage. Man muss verschiedene Aufgaben lösen. Eigentlich sind es ganz normale Arbeiten, aber es wird dort penibel genau geschaut, ob man es so macht, wie im Lehrbuch. Es muss einfach perfekt sein, weil an der Weltmeisterschaft Kleinigkeiten den Unterschied ausmachen. Am Schluss hatte ich drei Punkte mehr (von insgesamt 600) auf die Zweitplatzierte.

 

  1. Wie hast du dich auf die Weltmeisterschaft vorbereitet?

Ich habe sehr viel trainiert. Jeden Tag vor und nach der regulären Arbeitszeit und an Samstagen. Zusätzlich habe ich mich einmal im Monat mit anderen Berufsvertretern in der Schweiz getroffen und wir wurden auf diese Weltmeisterschaft als Team vorbereitet, auch wenn jeder seine eigene Berufsgattung vertrat. Wir hatten beispielsweise Mentaltraining, Teambildung oder sind über Feuer und Glasscherben gelaufen. Dinge, die uns zusammengeschweisst haben. An der Weltmeisterschaft verbringt man die ganzen vier Tage in dieser Delegation und so sind wir praktisch als Familie nach Leipzig geflogen.

Das Ganze wird jedes Jahr von der Stiftung Swiss Skills (http://www.swiss-skills.ch/) organisiert und die Teamleader der Stiftung betreuen an der Weltmeisterschaft ihre Landesvertreter.

 

  1. Wie reagierte dein Umfeld darauf?

Mein Vater war mega stolz. Meine Familie hat sich sehr für mich gefreut. In meinem Freundeskreis war es ein bisschen schwierig, weil ich natürlich nicht mehr so viel Zeit für den Ausgang hatte. Aber meine Kollegen wussten, dass das eine Zeit ist, die vorbei geht und jetzt ist ja alles wieder normal.

 

  1. Worauf kommt es in deinem Beruf denn an? Was muss man besonders gut beherrschen?

Als Carrossier-Lackiererei sind Genauigkeit und Sauberkeit sehr wichtig. Gerade bei Vorbereitungsarbeiten ist das essenziell. Sonst werden alle Folgearbeiten nicht schön. Man braucht viel Ausdauer, damit man die Arbeiten von Anfang bis Ende immer sehr genau ausführen kann.

 

  1. Hast du Job-Angebote nach der Weltmeisterschaft erhalten? Oder was machst du in Zukunft?

Hie und da schon. Aber ich überlege mir das gut, da ich mich selbstständig machen möchte. Das war schon immer mein Traum. Jedoch gehe ich nun erst einmal ins Militär.

 

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